Zur Geschichte des Moienmarktes in Schlieben

Das wichtigste regionale Volksfest im Schliebener Land ist der Moienmarkt (früher auch Johannismarkt) seit mehr als vier Jahrhunderten. Dieses traditionelle Heimatfest lockt alljährlich viele Besucher aus nah und fern in das Städtchen Schlieben.

Der Name Moienmarkt ist wohl abgeleitet von dem slawischen Begriff „Moie“ bzw. „Moia“, und bedeutet so viel wie Mädchen oder Magd. In der Regel fand der Moienmarkt jeweils am ersten Montag im Juli statt, es sei denn der erste Montag fiel auf den 1. Juli, dann war der Markt eine Woche später. Dieser Zeitpunkt zwischen der abgeschlossenen Heuernte und der bevor stehenden Getreidemahd war ein relativ günstiger Termin für die ländliche Bevölkerung.

Zum Moienmarkt kamen aus den umliegenden Dörfern die Mädchen und jungen Burschen, um sich für das nächste Erntejahr zu verdingen. Natürlich waren auch die Bauern zur Stelle. Nach erfolgreichen Verhandlungen gab es den so genannten Mietstaler, der dann oftmals während des Markttages in den Kellern umgesetzt wurde. 

Ein wesentlicher Teil des Marktgeschehens vollzog sich in den Bergkellern. Der Bau des ersten Kellers ist für das Jahr 1510 nachgewiesen. Hier wurde auch der heimische Wein von der Südseite oder Sonnenseite des langen Berges ausgeschenkt.

Das Markttreiben fand sein Ende erst in den frühen Morgenstunden. Gegenwärtig spielt sich der Moienmarkt nicht mehr am Montag, sondern von Freitag bis Sonntag ab. Abschließend noch eine Warnung vor den sagenhaften Holricken. Diese Zwergen ähnlichen Gestalten haben ihren Unterschlupf in den Höhlen des Langen Berges. Zu mitternächtlicher Zeit treiben sie ihr Unwesen, erschrecken die Marktbesucher und begehen allerhand Schabernack.

Hans-Dieter Lehmann

© Schliebener Moienmarkt- und Kulturverein e. V.